Der Yarkovsky-Effekt läßt Asteroiden zu NEAs werden
Der erst kürzlich direkt an einem Asteroiden gemessene
Yarkovsky-Effekt (siehe Artikel 791 Kurzmeldung) sorgt auch
dafür, daß desöfteren Asteroiden aus dem
Hauptgürtel in die Nähe der Erde wandern
können, wo sie dann zu potenziell gefährlichen Near
Earth Asteroids werden - und die überwiegend retrograde
Rotation dieser NEAs stellt einen schlagenden Beweis dafür
dar. Der fundamentale Transportmechanismus Gürtel -
Erde ist schon länger bekannt: Wenn ein Asteroid in eine
bestimmte Resonanzzone des Gürtels gerät, kann
eine Bahnexzentrizität v.a. durch die Schwerkraft Jupiters
stark ansteigen. Doch wie kommt der Asteroid erst einmal aus
seiner friedlichen Normalbahn in eine dieser instabilen Zonen des
Asteroidengürtels?
Wieder einmal ist der Yarkovsky-Effekt Schuld, der kleinere
Körper des Sonnensystems angreift: Ein rotierender
Körper gibt die von der Sonne empfangene Wärme in
einer etwas anderen Raumrichtung wieder ab - und der
Strahlungsdruck verändert ein wenig seine Bahn. Daß
dieser Effekt maßgeblich dafür verantwortlich ist,
daß Asteroiden in die Resonanzzonen driften, wird schon
seit einigen Jahren vermutet, aber erst jetzt war ein
entscheidender Test möglich. Denn wenn Kollisionen der
Asteroiden untereinander der wesentliche Injektionsprozeß
in die Zonen wären (das war eine denkbare Alternative),
müßten die Rotationsachsen der NEAs ebenso
ungefähr gleichmäßig wie im Hauptgürtel
verteilt sein, dominiert dagegen Yarkovsky, sollten die meisten
NEOs retrograd (»falsch herum«) rotieren. Und genau
das ist der Fall.
Von 21 NEAs, die (bis auf zwei) kleiner als 10 km sind und daher
von Yarkovsky stark betroffen sein könnten, rotieren
nämlich 14 retrograd: Es gibt keinen erkennbaren Grund,
warum ein NEA von sich aus bevorzugt falsch herum rotieren
würde. Doch retrograd rotierende Asteroiden werden vom
Yarkovsky-Effekt bevorzugt in die resonanten Zones des
Hauptgürtels geschoben, insbesondere die nu-6-Resonanz
am Innenrand des Gürtels, die logischerweise nur von
Asteroiden erreicht werden kann, die Richtung Sonne driften. Alle
anderen relevanten Resonanzen können von beiden Seiten
aus erreicht werden. Daß es doppelt so viele retrograd wie
prograd rotierende NEAs gibt, entspricht dabei sogar genau den
mathematischen Erwartungen: Damit ist der Yarkovsky-Effekt
als wesentlicher Initiator der NEA-Produktion
überführt. [15.4.2004]
[881] Quelle: La Spina & al., Nature 428
[25.3.2004] 400-1. Link: ein Artikel von
BdW.
Auch auf der Südhemisphäre wird wieder nach
NEOs gesucht, seit dem 29. März erfolgreich, wobei die
Kosten aber von der NASA getragen werden - Australien selbst ist
das Programm wenig wert:
U
of A Press Release.